Montag, 25. Mai 2009

Ein Aufruf zu Slogans / Call for Slogans

Mit dem Ansehen der Chemie in der Gesellschaft ist es ja nicht weit her, das brauch man glaube ich nicht weiter auszuführen. Zu tief verwurzelt scheint der fiktive Gegensatz von Chemie zu Natürlichkeit, Bio oder Gesundheit. Es müssen daher griffige Slogans für die Verbesserung des Ansehens der chemischen Industrie und der Chemie im Allgemeinen her. Und deswegen fang ich jetzt mal an:

  • No animals were harmed during the process of producing this chemical
  • Ich sage Ja zu Chemie aus Deutschen Landen
  • Wir sind Chemiker - Keine Fleischer ! Wir töten keine Tiere

Ich wünsche mir viele Ideen von euch, entweder als Kommentar auf diesen Beitrag oder als Tweet mit dem Hashtag #Chemie-Slogan

Sonntag, 26. April 2009

4. Semester (Reden wir nicht mehr über das 3.)

So, nach einer langen und letztendlich vergebenen Lernphase in den Semesterferien bin ich im 4. Semester meines Studiums gelandet und auch wieder richtig froh, dass es wieder losgeht. Zwar hab ich im 3. Semester so ziemlich alles falsch gemacht, was ich falsch machen konnte und mir so nicht nur ein Extrasemester verdient sondern auch noch ein Praktikum, welches ich in diesem Semester hätte machen können verbockt, aber es ist grad so schönes Wetter und da will ich jetzt auch nicht mehr dran denken.

In diesem Semester hab ich es eigentlich ziemlich locker, da ich zum ersten Mal seit Anfang meines Studiums nicht von früh bis spät im Labor stehen, was für mich eine völlig neue Erfahrung ist. Ich habe jetzt sogar theoretisch Zeit alle Übungsblätter zu machen (mal schauen wie lange ich das durchhalte). Zu meinen Fächern die ich in diesem Jahr belege.

ACF (I) - Festkörperchemie
Festkörperchemie stellt die erste Hauptdiplomsvorlesung dar, die ich besuchen werde. Ich hab zwar in diesem Fach noch kein Vordiplom gemacht, allerdings war Anorganische Chemie schon immer meine geheime Leidenschaft und machen muss ich es sowieso. Ich hoffe durch die Vorlesung einiges für mein Vordiplom mitnehmen zu können um ein bisschen mit Hauptdiplomswissen rumpimpen zu können. Ist wohl nicht das Schlechteste. Inhaltlich werden die Symmetrie, Eigenschaften, Untersuchungsmethoden, Defekte und ihre Auswirkungen auf Festkörper und zuletzt metallische Festkörper behandelt. Wirklich sehr interessanter Stoff, wie ich aus Skripten von anderen Unis zu meinen glaube, die ich mal ein bisschen überflogen hab.

Seminar zum OC-Praktikum
Ha! Ein alter Bekannter aus dem 3. Semester (wie ich es hasse). Naja, aber da muss man durch wenn man halt die OC II Klausur verkackt. Inhaltlich wird so alles durchgepaukt was man im Vordiplom halt so braucht. Radikale, Nukl. und Elektr. Substitutionen, Aromaten, Heterocyclen etc...

Physikalische Chemie II
Bin zwar noch ein bisschen geschädigt von Thermodynamik und Kinetik der PC I Vorlesung, habe mir aber vorgenommen diese Vorlesung von Anfang bis Ende durchzuziehen. Hab ja jetzt auch ein bisschen mehr Zeit, als im letzten Semester. Inhaltlich werden Spektroskopie und Quantenmechanik durchgenommen, wovon ich mir vor allem von letzterem zwar schwierigen, aber dennoch coolen Stoff erwarte. Außerdem kann ich dann sagen : "Quantenmechanik ? Hab ich drauf!" und das klingt dann schon sehr beeindruckend und kann hilfreich sein ein paar Quacksalber zu entlarven, die mit ihren kruden Theorien wiedermal die Schrödingergleichung vergewaltigen. Und welcher Teufel von Mensch würde einer kleinen Katze so etwas antun.

Ex-Physik B
Werde ich in diesem Semester wiederholen, da im 2. während dem Quanti nicht wirklich viel Zeit blieb für den Stoff. Allerdings hat mich die Motivation auch schon in der ersten Vorlesung wieder verlassen, nachdem wir ausgerechnet mit Thermodynamik anfangen mussten. Den Scheiß hab ich jetzt wirklich zur Genüge durchgekaut. Netterweise wies mich der Professor dann noch darauf hin, dass ich mir nach PC I die nächsten 3 Wochen ExPhysik sparen könne.

Physik-Praktikum
Mein einziges Praktikum in diesem Semester, welches dazu noch nur an einem Nachmittag stattfindet. Man hat jeweils 6 Stunden für 2 Versuche und so wie unser erster Versuch verlaufen ist darf man Laboräffchen spielen. Sprich, Knopf drehen -> Wert aufschreiben -> Kopf drehen -> Wert aufschreiben etc... Dafür sind die Assistenten herrlich lustlos und unmotiviert, soll heißen man kann arbeiten ohne dass einem ständig auf die Finger geschaut wird. Es sind aber auch wirklich nur Alibiexperimente, die leicht durchzuführen sind.

Metallorganische Chemie
Das wird wohl meine zweite Hauptdiplomsvorlesung sein in dem Semester, da ich mir OC III noch nicht wirklich zutraue, nach meiner verpatzen OC II Klausur. Und da ich ja in dem Semester Zeit hab ohne Ende zieh ich meine Vorlesungen in Anorganischer Chemie schon mal vor und hoffe ich komm mit. Wenn es allzu esoterisch wird und ich überhaupt nichts mehr raffe werd ich es sein lassen aber versuchen kann man es allemal. Ich erhoffe mir ein cooles AC/OC-Mashup und versuche wieder was für die Vordiplomsprüfungen mitzunehmen.

Elementorganische Chemie der Nebengruppen
Das ist die Schwestervorlesung zur Metallorganischen Chemie. Vielleicht setze ich mich mal rein, aber der Termin von 9.45 Uhr montags zerstört mein cooles 3-Tage Wochenende, da ich Montags sonst keine weiteren Vorlesungen oder Tutorien habe. Ich halte mir aber dennoch mal die Option frei.

Donnerstag, 5. März 2009

Empfehlungen aus Fachzeitschriften #1

"Wo will man eigentlich hinkommen, wenn man immer nur das lernt, was man lernen muss ?"




Um diese Artikel lesen zu können kann man entweder in die UniBibliothek seiner Wahl rennen oder wählt sich über einen VPN-Tunnel ins UniNetzwerk ein. Die meisten Universitäten bieten ihren Mitgliedern den Onlinezugang zu den wichtigsten Fachzeitschriften an.
Natürlich kann den Zugriff auf die Artikel auch entgeldlich erlangen, wobei die Preise so lächerlich hoch sind, dass ich das keinem Menschen raten würde.

p.s. Der dritte Artikel ist schon sehr harter Tobak. Hier erhält man eine kleine Aufbereitung.

Freitag, 27. Februar 2009

Ein bisschen Geschichte und Statistik und die Zukunft

Es steht zwar noch kein Jubiläum an, der Monat ist auch noch nicht vorbei aber da ich grad Zeit und Lust haben, habe ich mir mal die Mühe gemacht, meine Blogcountergrafiken seit Beginn meines Blogs aneinander zu reihen und mein Blogexperiment ein bisschen Revue passieren zu lassen. Einen kleinen Anlass gibt es aber trotzdem, denn seit heute waren 1000 Besucher auf meinem Nischen-Nischen-Blog. Ein Klick auf die Grafik wird helfen auch was zu erkennen.


Ok, man kann nicht wirklich was erkennen, auch wenn man auf die Grafik klickt, weil Blogger unverschämterweise meine Grafik verkleinert. Aber zur Erklärung: Der erste Strich liegt bei 10, der zweite bei 20 und der dritte Strich liegt bei 30 Besucher. Außer im November, da liegen sie bei 40, 80 und 120.

Das Blog begann als Experiment am Anfang des zweiten Semesters, mit dem Gedanken für Studienanfänger einen kleinen Einblick geben zu können was sie im Studium erwartet. Da ich mich erstmal reinfinden musste und überhaupt nicht wusste wie das alles einmal aussehen würde, habe ich erstmal niemandem was davon erzählt und auch sonst keine Werbung gemacht, was man auch gut an den Besucherzahlen in den ersten Monaten sehen kann, als täglich wenn's hoch kam 2 Leute mal kurz vorbeigeschaut haben. Das änderte sich dann schlagartig, als ich einen zugegebener etwas gereizten Beitrag zur Hausdurchsuchung von Burkhard Schröder geschrieben habe, der mir dann zu 120 Besuchern an diesem Tag verholfen hatte nachdem ein paar Trackbacks in anderen Blogs gesetzt hatte. Man muss in der Blogosphäre eben nur laut genug brüllen, dann wird man auch gehört. Danach ebbten die Besucherzahlen verständlicherweise wieder ab, blieben aber stabil bei im Schnitt 5 Besuchern am Tag. Heute liegen sie bei 7 Besuchern, was für einen Blog eigentlich wahnsinnig wenig ist, wie ich nach ein bisschen Recherche herausgefunden hab. Für meine kleine Nische am Rande der Blogosphäre finde ich das aber gar nicht so schlimm, denn die Leute die auf meine Seite kommen finden auch meistens das was sie suchen, wenn man ihren Suchbegriffen Glauben schenken darf. Spitzenreiter meiner Post sind übrigens meine Anleitungen zum Soda/Pottasche-Aufschluss, mein Peleusballtrockner und meine Merksätze zum Periodensystem (Scitvacrimfekonikuzen lässt einem nie im Stich).

Meine bisherigen Posts waren meistens über das Studium, kleine Appletspielereien für Chemie, aber auch schon zwei Posts über Fachartikel, die mehr oder weniger gelungen sind (wie man es von einem Studenten ohne Vordiplom erwarten kann). Über letzteres will ich auf jeden Fall in Zukunft öfters schreiben, da ich an mir selber merke wie cool es ist, wenn man mit dem bereits gelernten durchaus auch Fachartikel verstehen kann. Ein Kommilitone von mir hat mal gesagt: "Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass das, was wir grad lernen irgendwann mal zu etwas Anwendbarem führt" Und dieser Eindruck kann einem auch kommen, gerade wenn man am Anfang seines Studiums steht und sich dem Ziel seines Studiums noch gar nicht bewusst ist. Aus diesem Grund will ich mehr Fachartikel kommentieren und wenn es mir möglich ist einen Bezug zum Studium und schon gelernter Theorie ziehen. Ich habe mich übrigens dekadenter Weise mal bei Research Blogging angemeldet, auch wenn mir für die meisten Fachartikel jetzt noch das notwendige Wissen fehlt, aber hey!

so long, Paul

Montag, 16. Februar 2009

Homöopathie, die natürliche Wissenschaft

Gut, über Homöopathie denkt jeder was er will und über die Pros und Contras will ich gar nicht reden. Ich persönlich halte es für den Wissenschaftszweig der sich mit der Maximierung des Plazeboeffektes beschäftigt. Was mir aber immer begegnet wenn mir jemand von seinen homöopathischen Mittel erzählt ist folgender Satz: "Aber das ist ja auch alles gaaaanz natürlich, ganz ohne Chemie und so..." Ach ja ? Hier eine kleine Auswahl von "natürlichen" homöopathischen Mitteln. (Die sonstigen Mittel aus Kotze, Kot, jeglichen vom Körper (egal ob Tier oder Mensch) produzierten Sekreten, krankem Gewebe, Drogen und sonstigem ekeligem Zeugs hab ich mal weggelassen)

  • Arsen
  • Benzol
  • Blausäure
  • Blei
  • Botulinumtoxin
  • Cadmiumsulfat
  • Chloroform
  • Chlor
  • Cobalt
  • Flussäure
  • Formaldehyd
  • Iridium
  • Kalziumarsenid
  • Kohlenmonoxid
  • Cobalt
  • Königswasser
  • Kaliumcyanid
  • Kupfer / Kupferarsenit
  • Manganacetat
  • Naphtalin
  • Nickel
  • Nitroglyzerin
  • Osmium
  • Palladium
  • Platin
  • Plutonium
  • Quecksilber
  • Radiumbromid
  • Salzsäure
  • Silber/Silbernitrat
  • Uran
  • Zinnober*
Eigentlich bin ich bei solchen Ingridenzien dankbar, dass Homöopathen nach dem "Weniger ist Mehr"-Prinzip arbeiten und in den kleinen Kügelchen eh nichts mehr von dem drin ist, was drauf steht. Ansonsten wäre das mit ziemlicher Sicherheit vorsätzliche Körperverletzung.

Also wirklich, manchmal wunder ich mich schon über die Leichtgläubigkeit der Menschen. Natürlich kann man ihnen zu Gute halten, dass diese Leute keine Ahnung von Chemie haben, aber ihr Verständnis von "natürlichen" Inhaltsstoffen ist doch ziemlich willkürlich. Nun ja, eigentlich ist ihr Verhältnis zur "Natürlichkeit" ziemlich willkürlich. Das sieht man immer sehr schön an esoterisch interessierten Personen. Sie sprechen von Pflanzen und Natürlichkeit als Maxime ihrer Wertvorstellung und verdammen deswegen alle "Chemikalien", da sie ja "nicht natürlich" sind. Daraus kann man aber nicht ablesen, dass sie gegen alles "Nicht-Natürliche" auf der Welt wären, was vielleicht als sowas wie logischer Schluss gelten könnte. Nein, denn kaum kommt es zum "Über-Natürlichen" sind sie wieder voll bei der Sache, gründen Uri Geller Fanclubs und reden mit Außerirdischen. *Kopfschüttel

Ich frage mich gelegentlich was wir Chemiker eigentlich falsch machen in der Kommunikation zwischen Labor und Außenwelt. Denn seien wir mal ehrlich. Diese ganzen rationalen Argumentationen, Experimente und statistisch signifikante Doppelblind-Studien bringens doch nicht wirklich wenn wir versuchen die Leute zu überzeugen. Vielleicht sollten wir einfach behaupten die Chemie ginge auf einen alten weisen buddhistischen Bergpavian zurück, der vor 4000 Jahren im Himalaya gelebt hat. Dann würden uns die Leute zumindest mal wieder Glauben schenken. Wir können ja so weitermachen wie bisher, das würde eh keiner merken. Wir müssten zum Beispiel nur unsere Laborkittel als religiöse Trachten bezeichnen und behaupten unsere Reaktionsglieichungen und Strukturformeln wären uralte göttliche Schriftzeichen. Denn mal ehrlich, soweit von Sanskrit sind die nicht entfernt.

so long, Paul

* Quellen:
- W.Boericke: Handbuch der homöopathischen Materia medica, Stuttgart 2004.
- http://www.provings.info/liste.html